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Konferenzen




Jahrestagung und Diözesankonferenz der Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn
vom 24-25. März 2014





PRESSEMELDUNG

Paderborn 26. März 2014 (pdp)


Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Jahrestagung der Notfallseelsorger im Erzbistum Paderborn



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Notfall- und Feuerwehrseelsorger aus dem Erzbistum Paderborn
kamen im Bildungs- und Gästehaus Liborianum in Paderborn zu ihrer Jahrestagung zusammen.

Foto: pdpPaderborn


32 Notfall- und Feuerwehrseelsorger aus dem gesamten Erzbistum Paderborn kamen am Montag und Dienstag zu ihrer Jahrestagung im Bildungs- und Gästehaus Liborianum in Paderborn zusammen. Fachvorträge von Polizeioberkommissar Dr. Robin Malloy vom Polizeipräsidium Bielefeld und von Diplom-Psychologe Burkhardt Rother vom Schulpsychologischen Dienst des Kreises Herford entfalteten das Thema der Tagung: „Notfallseelsorge bei Suiziden“.

Monsignore Wolfgang Bender, Diözesanbeauftragter für Polizei-, Feuerwehr- und Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn, Stephan Lange, Leiter der Abteilung Gemeinde- und Erwachsenenpastoral im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn, und Diakon Ulrich Slatosch, Diözesanseelsorger für Feuerwehr und Rettungsdienst im Bistum Essen, leiteten gemeinsam die Tagung der Notfallseelsorger im Erzbistum Paderborn.

Nach einem Erfahrungsaustausch zur Notfall- und Feuerwehrseelsorge in den jeweiligen Regionen des Erzbistums Paderborn referierte Polizeioberkommissar Dr. Robin Malloy zum Thema „Die Neuropsychologie des Suizids“. Dr. Malloy hat zur Neuropsychologie sowie Emotions- und Stressforschung promoviert. Neben Tätigkeiten als Dozent und Autor arbeitet er in der Aus- und Weiterbildung der Polizei Nordrhein-Westfalen in Bielefeld. „Man kann den Körper nicht ohne den Geist verstehen und umgekehrt“, unterstrich der Polizeibeamte den ganzheitlichen Ansatz der Neuropsychologie.

nfs Polizeioberkommissar Dr. Robin Malloy vom Polizeipräsidium Bielefeld referierte über die „Neuropsychologie des Suizids“.


Eine Depression, die in fast allen Fällen einem Suizid vorausgehe, habe mit einem Ungleichgewicht von Botenstoffen im Hirn zu tun – und keineswegs mit einer kognitiven Einstellung. „Ich will Sie als Notfallseelsorger durch diese Tatsache nicht entmutigen. Vielmehr möchte ich Sie zu einer gewissen Demut ermutigen, dass die Macht der Kognition, des ‚vernünftigen Zuredens’, in solchen Situationen begrenzt ist. Ein depressiver Mensch kann seine negative Gefühlswelt nicht auf Knopfdruck umschalten“, sagte Dr. Malloy.

Bei einer psychischen Erkrankung gerieten sowohl der Stress- und Angstkreislauf als auch der Belohnungskreislauf völlig aus dem Gleichgewicht. „Die Balance dieser beiden Kreisläufe ist jedoch existenziell für unser Leben, aber sie wird in unserer Gesellschaft empfindlich gestört“, stellte Dr. Robin Malloy fest. „Nichts macht so sehr krank wie fehlende Wertschätzung, Anerkennung, Belohnung und Zuwendung. Menschen brauchen in ihrem Leben Sinnhaftigkeit, Glauben und Ideale. Versuchen Sie also, Menschen in suizidalen Situationen in irgendeiner Form derartige Perspektiven aufzuzeigen. Der Teil ihres Gehirns, in dem sie diese Perspektiven kognitiv selber erkennen könnten, funktioniert nämlich zu diesem Zeitpunkt der Erkrankung nicht mehr.“ Notfallseelsorger müssten in besonderer Weise achtsam die eigene Balance im Auge behalten, so Dr. Robin Malloy abschließend: „Denn nur so können Sie auch für andere zur Hilfe werden. Nächstenliebe wird möglich durch wirksame Selbstliebe, die in der Gottesliebe ihre Wurzeln hat.“

Den „vollendeten Suizid, seine Hintergründe und die Herausforderungen bei der Begleitung durch die Notfallseelsorge“ beleuchtete Burkhardt Rother in seinem Vortrag. Der Diplom-Psychologe leitet die regionale Schulberatung beim Kreis Herford, zudem engagiert er sich für den Kreis Herford selbst als Notfallseelsorger. Rother konfrontierte die Notfallseelsorger zunächst mit statistischen Befunden über den Suizid: So sei die Zahl der Suizidtoten in Deutschland im Jahr 2012 beispielsweise mit über 9.000 deutlich höher gewesen als die Zahl der rund 3.300 Verkehrstoten. In der Gruppe der 15- bis 35-jährigen sei der Suizid – nach dem Unfalltod – die zweithäufigste Todesursache. Die höchsten Suizidraten in Deutschland seien in der Gruppe der hoch betagten Männer zu finden.

„Es gibt in der Regel nie nur eine Ursache für einen Suizid, vielmehr ein Zusammenspiel ungünstiger Faktoren“, informierte Rother. So könnten ein mangelndes Selbstwertgefühl, der Verlust von Vertrauen, Liebe und Anerkennung, eine konkrete Leidensgeschichte, mangelnde familiäre Beziehungsstrukturen oder Angst und Ohnmachtsgefühle zum Gefühl von Einsamkeit und Ausweglosigkeit führen. „Die suizidale Handlung ist der ‚letzte Tropfen’, der ein Fass zum Überlaufen bringt“, so der Notfallseelsorger. „Und dieser ‚letzte Tropfen’, also als wie schlimm etwas empfunden wird, ist subjektiv.“

Notfallseelsorger begegneten bei Angehörigen, die einen Menschen durch Suizid verloren hätten, oft Gefühlen und Verhaltensweisen wie Scham, Stillschweigen, Schuldgefühlen oder auch Wut. „Es ist wichtig, in der Akutsituation einen sicheren und geschützten Ausdruck solcher Gefühle zu ermöglichen. Gleichzeitig gilt es, gegenseitige Schulzuweisungen zu verhindern und die Gesamtgruppe aller Angehörigen zu stärken, beispielsweise durch gemeinsame Rituale“, schloss Burkhardt Rother seinen Vortrag.


Jahrestagung und Diözesankonferenz der Notfallseelsorge imErzbistum Paderborn
vom 18.-19. März 2013




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Unter der Leitung von Msgr. Wolfgang Bender, Diözesanbeauftragter für Polizeiseelsorge, Feuerwehrseelsorge und Notfallseelsorge
im Erzbistum Paderborn, (vorne) tagten die Notfallseelsorger des Erzbistums Paderborn im Bildungshaus Liborianum.
Zwei Experten referierten zum Tagungsthema (sitzend v.l.):
Heinz Ruland von der Katholischen Hochschule NRW (KatHO) und Heino von Groote von der Notfallseelsorge der Stadt Paderborn.
Foto: pdpPaderborn


PRESSEMELDUNG


Mit Psalmen die „Klage aus sich herauslassen“
Jahrestagung der Notfallseelsorger im Erzbistum Paderborn

Paderborn (pdp).

Um Sprache und Rituale in Notfallseelsorgeeinsätzen ging es bei der diesjährigen Jahrestagung der Notfall- und Polizeiseelsorger im Erzbistum Paderborn unter der Leitung des Diözesanbeauftragten für Polizeiseelsorge, Feuerwehrseelsorge und Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn, Monsignore Wolfgang Bender. Die beiden Notfallseelsorger Heino von Groote und Heinz Ruland referierten zum Tagungsthema „Die richtigen Worte finden – Notfallseelsorgeeinsätze, Sprache und Rituale“.

Nachdem sich die rund 25 Teilnehmenden aus dem gesamten Erzbistum Paderborn über den Situationsbericht zur Notfall- und Feuerwehrseelsorge aus den jeweiligen Regionen ausgetauscht hatten, referierte Notfallseelsorger Heino von Groote (Stadt Paderborn) über „Rituale in der Notfallseelsorge“. Ein Notfallseelsorger habe keinen Werkzeugkoffer, aus dem er sich im Einsatzfall bedienen könne. Vielmehr sei seine Fähigkeit, sich in die Betroffenen hineinzuversetzen sein zentrales „Werkzeug“: „Die Erwartungen der Menschen, denen wir helfen möchten, müssen für uns der Maßstab sein: Was tut den Betroffenen in einer Schocksituation gut, einer Situation, in der sie sich oft sträuben, eine gänzlich neue Realität zu akzeptieren?“, fragte von Groote. „In dieser Situation ist es wichtig, dass wir kein ‚Programm abspulen’, vielmehr die Betroffenen in ihrem eigenen Trauertempo unterstützen.“

Zeichenhafte Gesten könnten helfen, die Komplexität einer „überfordernden“ Situation zu reduzieren. „Dabei ist es jedoch immer wichtig, dass wir unsere Religiosität niemandem überstülpen. Wir können mit unserem religiösen Hintergrund lediglich Angebote machen, um den Betroffenen ein Stück Sicherheit zurück zu geben“, sagte der Notfallseelsorger.

Neben den „klassischen“ Gesten wie dem gemeinsamen Abschied vom Verstorbenen könnten mit den Betroffenen erarbeitete Rituale sinnvoll sein, so beispielsweise die gemeinsame Erinnerung an den Verstorbenen anhand eines Fotos oder das Gedenken an gute und schlechte Zeiten, die die Betroffenen mit dem Verstorbenen teilen. Wichtig könne es auch sein, die Betroffenen zu unterstützen, ihre Klage aus sich herauszulassen. Dafür eigne sich insbesondere das gemeinsame Beten von Psalm-Versen, die mit ihrer „starken Sprache“ den Menschen, der Gott nicht mehr versteht, in den Mittelpunkt stellen, so von Groote.

„Das Erleben in Not- und Krisensituationen angemessen ins Wort bringen“ war Thema des Vortrags von Diplom-Religionspädagoge Heinz Ruland von der Katholischen Hochschule NRW (KatHO NRW). Neben erwartbaren Emotionen wie Entsetzen oder Ohnmacht seien Notfallseelsorger bei der Begleitung von Menschen in Krisensituationen auch oft mit überraschenden Verhaltensweisen und Abwehrreaktionen bis hin zur Feindseligkeit konfrontiert, erklärte Ruland.
Ein Seelsorger müsse sich in dieser Situation vor Augen führen, dass ein traumatisches Geschehen einen Menschen stets verletze und in seiner Existenz erschüttere. „In dieser Situation ist es wichtig, verbal zu vermitteln, dass jemand da ist und auch da bleibt, der zuhört und der die benötigte Zeit gibt, sich auszusprechen. Man sollte Betroffene jedoch nicht dazu zwingen, über ihre Probleme zu reden. Und in einer Situation, wo die Zukunft in Frage gestellt wird, ist der Rat ‚nach vorne zu blicken’, für die Betroffenen nur selten hilfreich“, erklärte Ruland. Wichtig sei, ausreichend Raum für emotionale Reaktionen zu schaffen und diese zu respektieren.


Stichwort: Notfallseelsorge


Generalvikar Alfons Hardt setzte 2010 „Eckpunkte für die Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn“ in Kraft. Darin wird festgelegt: „Notfallseelsorge im Sinne von Seelsorge in Notfällen und Krisensituationen ist Bestandteil des Seelsorgeauftrages der Kirche. Sie wendet sich Menschen in besonderen Not- und Krisensituationen zu. Notfallseelsorge kommt insbesondere bei schweren Verkehrsunfällen, Großschadensereignissen und Katastrophen zum Tagen.“ Sie beinhalte „Opfer- und Betroffenenseelsorge“, die Begleitung von Unfallopfern, Opfern von Straftaten und die Betreuung von Angehörigen nach Unfall- oder Freitod. Auch die Überbringung von Todesnachrichten gemeinsam mit der Polizei gehöre dazu.


(pdp-n-20.03.2013)


Jahrestagung und Diözesankonferenz der Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn
vom 27./28. Februar 2012



Hauptthema der Tagung:

„Notfallseelsorge im Kontext muslimischer Menschen“

Unsere Referenten:
  • Herr Diakon Ulrich Slatosch, Diözesanbeauftragter Feuerwehr- und Notfallseelsorge der Diözese Essen
  • Pastor Dr. Markus Kneer, Ansprechpartner für Fragen des Islam im Erzbistum Paderborn
  • Pfarrer Christoph Pompe, Psychologischer Psychotherapeut und Leiter der Notfallseelsorge der Lippischen Landeskirche
  • Kriminalkommissarin Sonja Biermann und Kriminalhauptkommissar Anton Renneke vom Kriminalkommissariat Prävention der Kreispolizeibehörde in Paderborn
  • Herr Stephan Lange, Erzbischöfliches Generalvikariat Paderborn, Leiter Gemeinde- und Erwachsenenpastoral


Notfallseelsorge und Muslime Jahrestagung der Notfallseelsorger des Erzbistums Paderborn
Paderborn (pdp)

Die Notfallseelsorger des Erzbistums Paderborn informierten sich bei ihrer Jahrestagung in der Bildungsstätte Liborianum über das Thema „Notfallseelsorge im Kontext muslimischer Menschen“. Pastor Dr. Markus Kneer, Ansprechpartner für Fragen des Islam im Erzbistum Paderborn, stellte in der zweitägigen Fortbildung das Thema „Muslime in der Notfallseelsorge – Anmerkungen zur neueren Entwicklung“ vor. Die Tagung der rund 25 Notfallseelsorger aus dem ganzen Erzbistum wurde geleitet von Monsignore Wolfgang Bender, Diözesanbeauftragter für Polizeiseelsorge, Feuerwehrseelsorge und Notfallseelsorge.

„Notfallseelsorgeeinsätze in muslimischen Familien“ war das Vortragsthema von Pfarrer Christoph Pompe, Psychologischer Psychotherapeut und Leiter der Notfallseelsorge der Lippischen Landeskirche. Kriminalkommissarin Sonja Biermann und Kriminalhauptkommissar Anton Renneke vom Kriminalkommissariat Prävention der Kreispolizeibehörde in Paderborn präsentierten „Auftrag und Arbeit der Beauftragten für muslimische Bürger der Kreispolizeibehörde Paderborn“.

Stichwort: Notfallseelsorge
Generalvikar Alfons Hardt setzte 2010 „Eckpunkte für die Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn“ in Kraft. Darin wird festgelegt: „Notfallseelsorge im Sine von Seelsorge in Notfällen und Krisensituationen ist Bestandteil des Seelsorgeauftrages der Kirche. Sie wendet sich Menschen in besonderen Not- und Krisensituationen zu. Notfallseelsorge kommt insbesondere bei schweren Verkehrsunfällen, Großschadensereignissen und Katastrophen zum Tagen.“ Sie beinhalte „Opfer- und Betroffenenseelsorge“, die Begleitung von Unfallopfern, Opfern von Straftaten und die Betreuung von Angehörigen nach Unfall- oder Freitod. Auch die Überbringung von Todesnachrichten gemeinsam mit der Polizei gehöre dazu. (pdp-n-28.02.2012)



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Die Notfallseelsorger des Erzbistums Paderborn sprechen bei Ihrer Jahrestagung über das Thema „Notfallseelsorge im Kontext muslimischer Menschen“. Diözesanbeauftragter Monsignore Wolfgang Bender (r.), Pastor Dr. Markus Kneer (Ansprechpartner für Fragen des Islam im Erzbistum Paderborn) (2.v.r.).


Jahrestagung und Diözesankonferenz der Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn
vom 28.-29. März 2011



„Eckpunkte für die Notfallseelsorge und Eckpunkte für die Seelsorge in Feuerwehr und Rettungsdienst im Erzbistum Paderborn nach der Veröffentlichung im Amtsblatt Stück 13 vom Dezember 2010“


Paderborn (pdp)

Die Notfallseelsorger des Erzbistums Paderborn berieten bei ihrer Jahrestagung in der Bildungsstätte Liborianum die neuen „Eckpunkte für die Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn“. Generalvikar Alfons Hardt hatte mit den neuen Regelungen unter anderem festgelegt, dass Organisation und Gewährleistung der Notfallseelsorge über die Dekanate erfolgen soll. Durch die Benennung eines Verantwortlichen auf der Ebene der Dekanate werde die Mitarbeit in den örtlichen Notfallseelsorgesystemen und den zuständigen Dienststellen organisiert, beschrieb Monsignore Wolfgang Bender, Diözesanbeauftragter für Polizeiseelsorge, Feuerwehrseelsorge und Notfallseelsorge, die für das ganze Erzbistum geltenden Eckpunkte.

Notfallseelsorge sei Bestandteil des Seelsorgeauftrags der Kirche, sie wende sich Menschen in besonderen Not- und Krisensituationen zu, definieren die „Eckpunkte für die Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn“. Notfallseelsorge komme insbesondere bei schweren Verkehrsunfällen, Großschadensereignissen und Katastrophen zum Tagen. Sie beinhalte „Opfer- und Betroffenenseelsorge“, die Begleitung von Unfallopfern, Opfern von Straftaten und die Betreuung von Angehörigen nach Unfall- oder Freitod. Auch die Überbringung von Todesnachrichten gemeinsam mit der Polizei gehöre dazu.

„Der Dienst in der Notfallseelsorge geschieht im Rahmen der allgemeinen Seelsorge. Er bedarf keiner zusätzlichen diözesanen Beauftragung“, so die Eckpunkte, die die Notfallseelsorge im Erzbistum regeln. Der Dechant eines Dekanates benenne einen Verantwortlichen oder eine Verantwortliche für die Notfallseelsorge im Dekanat. „Notfallseelsorge geschieht durch Priester, Diakone und Laien im pastoralen Dienst im Erzbistum Paderborn im Rahmen der allgemeinen Seelsorge. Darüber hinaus können Ehrenamtliche in der Notfallseelsorge mitwirken.“ In der Erzdiözese Paderborn geschehe Notfallseelsorge in ökumenischer Zusammenarbeit mit den Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). (pdp-n-29.03.11)


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Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger berieten bei ihrer Jahrestagung die neuen „Eckpunkte für die Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn“. Monsignore Wolfgang Bender (vorne, 2. v.l), Diözesanbeauftragter für Polizeiseelsorge, Feuerwehrseelsorge und Notfallseelsorge, leitete die Tagung.


Diözesankonferenz der Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn
vom 16. bis 17. März 2010




„Notfallseelsorge und -einsätze im Kontakt zur Presse und zu Medien“

Unsere Referenten:
  • Herr Diakon Ulrich Slatosch, Diözesanbeauftragter Feuerwehr- und Notfallseelsorge der Diözese Essen
  • Herr Christian Voss, stellv. Redaktionsleiter der Bild-Zeitung Dortmund
  • Frau Polizeioberkommissarin Corinna Koptik, Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde Gütersloh
  • Herr Stephan Lange, Erzbischöfliches Generalvikariat Paderborn, Leiter Gemeinde- und Erwachsenenpastoral
  • Herr Michael Beninde, Sozial- und Ordnungsdezernent des Kreises Paderborn
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Gruppenbild vor dem Liborianum: Die Tagungsteilnehmer strahlen mit der Sonne um die Wette.


Bericht von Maria Aßhauer


Pressefreiheit contra Opferschutz

Notfall-, Feuerwehr- und Polizeiseelsorger tagen im Liborianum: Zum Umgang mit Medien am Einsatzort


Schauplatz eins, 5. Februar 2010, Brilon: Bei einer heftigen Explosion in der Spanplattenfirma Egger werden drei Arbeiter getötet. Neben vier Verletzten stehen 35 engere Mitarbeiter der drei Toten zum Teil unter Schock.
Schauplatz zwei, 19. Juli 2009, Menden: Ein 79 Jahre alter Mann fährt in einen Schützenumzug und tötet dadurch zwei Menschen. Fast 50 weitere Menschen werden verletzt, vier davon schwer.


Solche dramatischen Situationen, beide aus dem Erzbistum Paderborn, sind typische Einsatzorte für die Notfallseelsorge, die sich sowohl um die Betreuung der Betroffenen am Schauplatz des Geschehens kümmert, die aber auch solch unbequeme Aufgaben wie das Überbringen der Todesnachricht an die Angehörigen hat. Ereignisse dieser Art haben jedoch auch eine ganz natürliche Anziehungskraft auf die Medien. „Notfallseelsorge und -einsätze in Verbindung mit Presse und Medien“ – unter diesem Motto stand daher am 15. und 16. März 2010 die jährliche Tagung der Notfall-, Feuerwehr- und Polizeiseelsorger des Erzbistums Paderborn im Diözesanbildungshaus Liborianum Paderborn.


Mangel an ethischen Grundlagen?


Tagungsleiter Monsignore Wolfgang Bender, Diözesanbeauftragter für Feuerwehr-, Polizei- und Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn, begrüßte die rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und rückte zwei Fragen in den Vordergrund: Wie erleben Notfallseelsorger die Medien am Einsatzort?
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Monsignore Wolfgang Bender
führte souverän durch das
Tagungsprogramm.
Und: Wie erleben umgekehrt die Medien die Notfallseelsorge? Bender verwies in diesem Zusammenhang auf oft vorhandene Ressentiments gegen die Presse: „Häufig wird den Medien ein Mangel an ethischen Grundlagen vorgeworfen.“ Ähnliches berichtete auch Manfred Seithe von der Notfallseelsorge Menden aus seiner eigenen Erfahrung: „Bei dem schweren Schützenfestunfall im letzten Jahr waren sofort fünf TV-Teams vor Ort, die sich relativ rücksichtslos gezeigt haben.“
Um im Verlauf der Veranstaltung sowohl die Perspektive der Einsatzkräfte als auch die der Medien ausreichend zu würdigen, waren zwei ausgewiesene Fachleute als Referenten eingeladen worden: Von Seiten der Presse hatte Frank Schneider, Redakteur der BILD-Zeitung Essen, sein Kommen zugesagt. Als Repräsentantin der Einsatzkräfte – und zugleich als Kennerin der Medien – besuchte Corinna Koptik, Polizeihauptkommissarin und Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde Gütersloh, die Tagung. Als dritten externen Gast konnte Tagungsleiter Wolfgang Bender den Sozial- und Ordnungsdezernent des Kreises Paderborn, Michael Beninde, als Vertreter der Politik im Liborianum willkommen heißen.


24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr auf Abruf


Doch zunächst stand der gegenseitige Austausch der Teilnehmer über die Erfahrungen des letzten Jahres an. Notfallseelsorge sei, so berichteten viele, eine erfolgreich funktionierende Kooperation zwischen evangelischer und katholischer Kirche. Auch Klaus Krüger vom Notfallseelsorge-Team Paderborn sah das so: „Wir arbeiten hier im besten Sinne herzlich ökumenisch zusammen.“
Darüber hinaus betonten die Teilnehmer die Bedeutsamkeit des ehrenamtlichen Engagements in der Notfallseelsorge. Dazu Michael Beninde: „Der ehrenamtliche Einsatz ist gerade angesichts leerer Haushaltskassen eine unbezahlbare Ressource, die man gar nicht hoch genug wertschätzen kann.“ Gleichzeitig, so der Einwand eines Teilnehmers, sei aber insbesondere auch die Professionalität in der Notfallseelsorge und damit eine angemessene Aus- und Fortbildung zu gewährleisten.
Notfallseelsorge, so zeigten sich die Teilnehmer einig, sei ein 24 Stunden-Dienst auf Abruf, und das 365 Tage im Jahr. Bestes Beispiel: Noch während der Tagung wurde einer der Teilnehmer mitten in der Nacht zu einem häuslichen Todesfall gerufen, um hier erste Hilfe für die Seele zu leisten.
Der Erfahrungsaustausch offenbarte nicht zuletzt, dass der unermüdliche Einsatz der Notfallseelsorger gesellschaftlich honoriert wird – so z. B. durch die Verleihung des Bürgerpreises der Stadt Paderborn anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der städtischen Notfallseelsorge oder durch die Vergabe des Ehrenpreises der Stadt Menden an das dortige Notfallseelsorge-Team. Auch Michael Beninde war überzeugt davon, dass sich für die Kirche in der Notfallseelsorge eine echte Chance biete: „Hier kann Kirche ihre ureigensten Kompetenzen in der Öffentlichkeit unter Beweis stellen.“


Dem Grauen ein Bild geben


Um diese Öffentlichkeit herzustellen, bedarf es aber in aller Regel der Medienberichterstattung. Aus diesem Grund durfte auf der Tagung ein Bericht aus der Arbeitspraxis der Presse nicht fehlen. In diesem Fall lieferte diesen Frank Schneider, seines Zeichens Polizeireporter bei der BILD-Zeitung in Essen. Die Arbeitszeiten des Journalisten, der auch bei den Amokläufen von Emsdetten im November 2006 und von Winnenden im März 2009 vor Ort war, erscheinen eher gewöhnungsbedürftig. Er wird dann aktiv, wenn andere sich ausruhen: in der Nacht oder am Wochenende – bzw. eben immer, wenn ein spektakulärer Unfall oder ein Kriminaldelikt das mediale Interesse auf sich ziehen.
Schneider berichtete gleich zu Beginn von den verschärften Arbeitsbedingungen, unter denen Medien heute stehen: So habe die BILD-Redaktion vor zehn Jahren noch 38 Mitarbeiter gehabt, während diese Zahl mittlerweile auf 16 geschrumpft sei. Zudem machte der Reporter das grundlegende Prinzip der BILD deutlich: „Wir sind in erster Linie keine Abonnementzeitung, sondern ein Verkaufsblatt. Das heißt, wir leben von einer hohen Auflage.“ Ein Konzept, das offenbar aufgeht – ist die BILD doch mit täglich rund 3,4 Millionen verkauften Exemplaren bundesweit die auflagenstärkste Tageszeitung. Teil dieser Strategie ist die besondere Art der Berichterstattung. Dazu Schneider: „Wir heißen eben BILD und nicht Wort. Das bedeutet, wir wollen dem Grauen im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild geben. Dabei halten wir uns aber an die Regeln. So werden bei der Berichterstattung über Minderjährige immer die Eltern gefragt.“ Ein absolutes Tabu für die Presseberichterstattung sei das Zeigen von Leichenteilen.
Die Kontaktaufnahme bei seinen Arbeitseinsätzen laufe zu 99 Prozent über die Polizei. Schneider sieht hier auch für diese einen großen Nutzen: „Die BILD-Zeitung bringt nachweislich gute Fahndungseffekte mit sich.“ Der Journalist identifizierte zusätzlich durchaus Berührungspunkte zur Notfallseelsorge: „Wir machen häufig einen ähnlichen Job. Auch wir wollen mit Menschen reden.“ Das Lesertelefon in der Redaktion stehe nicht still. „Es ist wie eine Art Telefonseelsorge“, so Schneider.
Abschließend verwies Schneider auf seine Erfahrung, dass Medien am Einsatzort bei ihrer Arbeit auch behindert werden könnten. So sei es z. B. rechtswidrig, die Hände vor die laufende Kamera zu halten und dadurch die Berichterstattung einzuschränken oder zu verhindern – sicherlich eine wertvolle Information für die anwesenden Tagungsteilnehmer und ihren Umgang mit Medien am Einsatzort.


„Auf der Suche nach Dramatik, Tränen und Aufruhr“


Der uneingeschränkten Presseberichterstattung auf der einen Seite steht der Schutz der Opfer auf der anderen Seite gegenüber. Unter dem Thema „Polizeilicher Opferschutz und Betreuung“ behandelte Polizeihauptkommissarin und Pressesprecherin Corinna Koptik daher folgerichtig die Frage: Wie können Einsatzkräfte am Einsatzort mit Medien umgehen? Sie veranschaulichte dies anhand des Tötungsdelikts an der Schülerin Hannah W. am 29. August 2007 in Königswinter – ein Fall, bei dem in punkto Opferschutz „vieles sehr gut gelaufen ist“, wie Koptik vorweg betonte. Als beispielsweise fünf Tage nach Verschwinden der Schülerin schließlich die Leiche gefunden wurde, sei nur eine Stunde später die Todesnachricht durch den Opferschutzbeauftragten und die Notfallseelsorger überbracht worden. Corinna Koptik: „Zu diesem Zeitpunkt waren bereits Pressevertreter an der Wohnung der Familie auf der Suche nach Dramatik, Tränen und Aufruhr.“ Diese Arbeitsweise könne man beklagen, so die Pressesprecherin, aber so sehe nun einmal die Medienrealität aus: „ Der Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Medien nimmt zu. Da kämpfen die unterschiedlichen Sender und Blätter knallhart um die besten Bilder.“
Als Folge der Penetranz der Medien sei die Straße zum Schutz der Familie gesperrt worden, ebenso wie das Gelände von Hannahs ehemaliger Schule. Hierin werde natürlich das Dilemma zwischen Pressefreiheit auf der einen und Opferschutz auf der anderen Seite sichtbar. „Die Pressefreiheit ist ohne Frage ein verbürgtes Grundrecht. Daher informieren wir die Medien auch über die wichtigsten Rahmenfakten“, bestätigte Koptik. „Aber der Opferschutz ist demgegenüber ungleich höher einzuschätzen.“
Zwei Tage nach Auffinden von Hannah fand ein Trauermarsch mit 6.000 Teilnehmern statt, darunter befanden sich unerkannt die Angehörigen. Ebenso war die Beerdigung während der Trauerfeier geschlossen und somit für die Medien nicht zugänglich. „Ein Zeichen dafür, wie gut der Opferschutz in diesem Fall funktioniert hat, ist, dass es bis zum heutigen Tage keine einzige Aufnahme der Angehörigen gibt“, resümierte Koptik nicht ohne Stolz.
Am Ende ihres Vortrags gewährte die Hauptkommissarin den Tagungsteilnehmern einen kleinen Eindruck in die Masse der Medienanfragen zum Fall Hannah: Im Zeitraum von Ende August bis Mitte September 2007 wurden 53 Radio- und TV-Berichte gesendet, 1.402 Medienanfragen gestellt, 181 Print-Artikel veröffentlicht, 179 Originaltöne der Polizei verwendet sowie zwei Pressekonferenzen abgehalten – Zahlen, die das erhebliche Medieninteresse an diesem Fall belegen.

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Blumen als Dankeschön für ihren interessanten Vortrag gab es für
Polizeihauptkommissarin Corinna Koptik (r.) von Monsignore Wolfgang Bender.

Die anschließende Diskussion bestätigte noch einmal, dass Notfallseelsorger gefragte Ansprechpartner für die Medien sind – ob nun im Fall der ermordeten Hannah, der Explosion in Brilon oder auch des Schützenfestunfalls in Menden. Anlässe wie diese böten, so tragisch sie auch sein mögen, eine gute Chance, um öffentlich über die eigene Arbeit zu sprechen. Problematisch werde es jedoch, wenn der besondere Stress, unter dem auch ein Seelsorger in Notfallsituationen steht, zu Fehlern vor dem Mikrofon oder der Kamera verleitet.

Vor diesem Hintergrund wäre die Integration von Medienkompetenz-Schulungen in der Ausbildung von Notfallseelsorgern vielleicht eine Überlegung wert, denn auch für diese gilt unwiderruflich: Willkommen in der Mediengesellschaft!

Maria Aßhauer



BUNDESKONGRESS
Notfallseelsorge - Krisenintervention


Erinnerungen - Blitzlichter
vom Bundeskongress für Notfallseelsorge und Krisenintervention
vom 21. bis 23. Mai 2004 in Bochum


1. „An Grenzen begleiten - Grenzen überschreiten”


Erstmals kam der Bundeskongress in den Räumen einer Universität zusammen. So wurde schon beim Ankommen deutlich, dass das Gesamtthema „An Grenzen begleiten” wohl interdisziplinär aufgeschlossen werden sollte. Beteiligt waren dann auch Theologen, Mediziner, Psychologen, und natürlich die Praktiker aus Feuerwehr- und Rettungsdienst, aus Notfallseelsorge und Krisenintervention.
Nebenbei: dass die Notfallseelsorge und die Krisenintervention auch wissenschaftlich von immer größerem Interesse wird, verdeutlicht auch eine Veranstaltungsreihe zur wissenschaftlichen Fortbildung für NotfallseelsorgerInnen der Katholischen Fakultät RUB in Kooperation mit der Evangelisch-Theologischen Fakultät RUB. Nähere Informationen dazu gibt es beim Lehrstuhl für Kirchenrecht der kath. Theol. Fakultät der RUB, Universitätsstr. 150, 44801 Bochum.


2. Die Ökumene: „Grenzen überschreiten”


Die alltägliche Erfahrung von Notfallseelsorgern, dass konfessionelle Grenzen im Notfall zweitrangig sind, findet inzwischen deutlich ihren Niederschlag in selbstverständlichen ökumenischen Miteinander beim Bundeskongress. Hier erwähne ich insbesondere die hervorragende Zusammenarbeit der Konferenz der Beauftragten für Notfallseelsorge und Seelsorge in Feuerwehr und Rettungsdienst in den Bistümern und Landeskirchen NRW und den feierlichen Abschlussgottesdienst unter der Leitung des Präses der evangelischen Kirche von Westfalen, Manfred Sorg und des damaligen Diözesanadministrators des Bistums Essen Weihbischof Franz Grave. In diesem Zusammenhang erinnere ich an die wirklich zu Herzen gehende Morgenmeditation der Pfarrer Hans Rottmann und Oliver Gengenbach, die im Internet nachschau und -lesbar ist, sogar am ppt-Download: www.feuerwehrseelsorge.de (unsere Arbeit / Gottesdienste und ähnliches / „Take me, where you want me to go...” Ein geistlicher Impuls vom Bundeskongress 2003....)


3. Seelsorge und Psychologie - Konkurrenten oder Partner?


Bei nicht wenigen Zusammenkünften von Notfallseelsorgern, Fachberatern Seelsorge der Feuerwehr, KIT’s, OPEN-Teams etc. kann man sich schwer des Eindruckes erwehren, Seelsorger und Psychogen lieferten sich inzwischen einen harten Konkurrenkampf um die gleiche Klientel. Dabei geht es offenbar auch um viel Geld. „Wem gehört die Krise?” so war ein Workshop überschrieben. Ich habe daraus mitgenommen, dass von Konkurrenz nicht die Rede sein kann. Vielmehr mahnen die Psychologen an, die Grenzen seelsorglichen Bemühens nicht zu übersehen. „Schlechte Hilfe kann gefährlicher sein, als gar keine.” (Pfarrer Oliver Gengenbach in der o. g. Morgenmeditation)


4. Und was gibt es sonst Neues? - Austausch am Rand


Der Bundeskongress ist das jährliche Forum, Neuigkeiten auszutauschen, sei es aus Forschung und Lehre, sei es von Einsätzen in jüngerer Zeit. Dabei erlebe ich es als sehr positiv, dass der alljährliche Kongress von vielen Bekannten besucht wird. Jeder weiß, dass er/sie im Einsatz alleine wenig oder gar nicht bewirken kann. Im Vorfeld das Miteinander zu pflegen ist darum (für mich) von so großer Bedeutung. Der Kongress lebt erst richtig vom Gespräch am Rand. Der Workshop „Neues zur Hirnphysiologie und Traumaforschung” von Dr. Alexander Jatzko hat mich aus dem Bereich „Neuigkeiten aus Forschung und Lehre” am meisten gefesselt. Ich bin gespannt auf die Veröffentlichung.

Peter Scheiwe



NOTFALLSEELSORGESEMINAR und JAHRESKONFERENZ 2004


Das Notfallseelsorgeseminar fand statt am Montag 26. und Dienstag 27. Januar 2004 in der Bildungsstätte des Erzbistums Liborianum. Veranstalter war die Notfallseelsorgeim Erzbistum Paderborn unter der Leitung des Sprecherteams der NFS. Eingeladen waren NotfallseelsorgerInnen und Interessierte im kirchlichen Dienst. Fortbildung der NFS im Erzbistum Paderborn ein. Thema der Fortbildung war:

Gewalt in der Familie –Aufgabe für die NFS.

Das Problem der häuslichen Gewalt wird oft verharmlost oder gar tot geschwiegen. Dabei nimmt die Zahl der gemeldeten Fälle ständig zu. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer, also die Fälle, die aus welchen Gründen auch immer, nicht bekannt werden, weit aus größer ist.

Wieviel Leid und Not über eine Familie hereinbricht wenn ein Partner mißhandelt, gedemütigt wird, lässt sich nur schwer erahnen. In den meisten Fällen leiden neben den mißhandelten Menschen die Kinder in unvorstellbarem Umfang mit. Traumatische Ängste, ja oft Probleme, die sich durch das ganze Leben eines Kindes/Jugendlichen hinziehen und damit verbundene Haßgefühle, aber auch die spätere Nachahmung der vorgelebten Verhaltensweisen, sind die gefährlichen Folgen solcher Erlebnisse.

In der Regel sind die mißhandelnden Personen Männer (ca. 90% männliche Täter gegenüber 10% weiblichen Täterinnen).

Diesem Thema, welches zwingend unser aller Aufmerksamkeit erfordert, hatte sich auch die Notfallseelsorge unseres Erzbistums bei ihrer letzten Tagung gestellt. 15 Personen (Priester, Diakone, Laien) ließen sich vom Opferschutzbeauftragten der Kreispolizeibehörde, Herrn Kriminalhauptkommissar Hansmann und Frau Schlottmann, Bella Donna Paderborn über die Problematik, die bei entsprechender Alarmierung durchaus auch die Notfallseelsorger betreffen kann, ausführlich im Liborianum bei einer zweitägigen Zusammenkunft informieren.

Klaus-Dieter Neumüller



Jahrestreffen der Notfallseelsorger
des Erzbistums Paderborn
in Schwerte am 27. und 28. Januar 2003


In der katholischen Akademie in Schwerte trafen sich die Notfallseelsorger der Diözese Paderborn um sich in den zwei Tagen über Erfahrungen und Möglichkeiten der Notfallseelsorge auszutauschen.

Ein eindrucksvoller Vortrag über den „Plötzlichen Säuglingstod“ der von der Vorsitzenden der GEPS-NRW e.V. Frau Hildegard Jorch gehalten wurde, vertiefte das allgemeine Wissen in diesem Notfallbereich. Es wurden Fragen aufgegriffen, wie hoch das Risiko für Säuglinge sind, welches mitauslösende Faktoren sein können, wie die seelischen Belastungen der hinterbliebenen Eltern sind. Da war es gut auch einmal eine Diskussion mit Frau Jorch zu führen, da sie in der Beratung dieser Eltern tätig ist. Für Interessierte:

nfs geps-deutschland@t-online.de
und
http://www.sids.de/


Auch über einen Großeinsatz in Winterberg wurde von zwei Notfall- und Polizeiseelsorgern berichtet.

Am Schluss wurde wieder einmal die Wichtigkeit dieses Jahrestreffen beton, da hierbei vor allem auch Erfahrungen aus „erster Hand“ ausgetauscht werden konnten.

Michael Hossfeld